Geschichte

Auszug aus dem Buch:
Geschichte
der Orte und Pfarreien
Großhemmersdorf
und Kerprichhemmersdorf
von der Steinzeit bis ins 20. Jahrhundert
Autor:
Josef Forse +

Geschichte des Ortes Hemmersdorf

1. Die Entstehung des Ortes und die erste urkundliche Erwähnung

Die Ortsnamen geben die erste Auskunft über das Alter eines Ortes. Selbst wenn keine Funde aus der fränkischen Zeit bekannt wären, deutet der Ortsname "Hymmersdorf" schon darauf hin, daß diese Siedlung in der Zeit der fränkischen Landnahme entstanden ist. Denn aus dieser Periode stammen die meisten Orte auf "-ingen", "-heim" und "-dorf". Besonders im Saargau und in Lothringen häufen sich die Orte auf "-dorf“. Was die Deutung des Ortsnamens "Hymmersdorf" angeht, kann man davon ausgehen, daß sich darin ein Personenname (vielleicht Hymmer, Heimer oder Hinkmar) verbirgt und soviel aussagt wie: "das Dorf des Hymmer". - Wie bereits in der Einleitung erwähnt, scheint der Ort "Kirchberg" (später Kerprichhemmersdorf) in der späteren Ausbaustufe entstanden zu sein. -
Territorial gehörte "Hymmersdorf" wohl zum Verwaltungsbezirk des Untersaargaues, der im Teilungsvertrag von Mersen im Jahre 870 zwischen Karl dem Kahlen und Ludwig dem Deutschen "sarachowa subterior" genannt ist. Oft tritt auch in Urkunden des Mittelalters neben den Bezeichnungen Saargau und Moselgau die Bezeichnung Niedgau ("Nitachowa") auf. Andreas Mailänder hat jedoch in seiner Untersuchung über den Untersaargau gezeigt, daß Moselgau, Niedgau, Saargau und die Grafschaften Liutards und Walderfingens nur verschiedene Benennungen für den Untersaargau sind.

Urkunden aus dem frühen Mittelalter über Hemmersdorf sind nicht bekannt. Lediglich ein Kugeltopf (H 12,5, Dm 16,3 cm) der 1949 beim Ausschachten in einer Baugrube der Lothringerstrasse gefunden wurde, kann aus dieser Zeit stammen. (Jetzt im Landesmuseum in Saarbrücken). Da noch mehrere Gefäßscherben und Knochen an dieser Stelle lagen, könnte es sich um ein spätfränkisches Grab handeln. Für diese Annahme sprechen zwei Kugeltöpfe im Rheinischen Landesmuseum in Trier, die aus Gräbern des 8. und 9. Jahrhunderts stammen. Die Reste dieses vermutlichen Grabes liegen heute noch in etwa 2 m Tiefe unter dem Bürgersteig vor einem Haus in der Lothringerstraße. Die Waffen die "im Bungert" gefunden wurden, scheinen aus dem späteren Mittelalter zu stammen. Eine genauere Datierung für die Existenz des Ortes Hymmersdorf ergibt sich aus der bekannten Urkunde des Trierer Erzbischofs Adalbero (1131 - 1152). Das Original dieser Urkunde ist nicht mehr erhalten; sie wurde aber wörtlich aufgenommen in eine Bestätigungsurkunde von Adalberos Nachfolger Theoderich II. vom Jahre 1222 .
Durch diese Urkunde sollte der alte Brauch wieder neu belebt werden, der schon zu Zeiten des Erzbischofs Rupert (931 - 956) bestand, daß die umliegenden "Pfarreien" jährlich zur Kirchweihe nach Mettlach zum Grabe des hl. Lutwinus kommen sollten. Nach diesem Dekret waren 76 Ortschaften zur Wallfahrt nach Mettlach verpflichtet. Darunter sind auch "Kirchperch" (Kerprichhemmersdorf) und "Hejmmerstorf" (= Großhemmersdorf) genannt, (vgl. Abb. 52 und 53). Diese 76 Orte sind bezeichnet als "parochiales ecclesiae circumquaque adiacentes". Ob es sich hier um wirkliche Pfarreien mit eigenen Kirchen handelt, wird im pfarrgeschichtlichen Teil dieser Arbeit untersucht. Hier interessiert nur die Tatsache, daß zur Zeit Adalberos die beiden Orte genannt sind. Wenn das Dekret aber einen alten Brauch zu beleben versuchte, der schon auf Erzbischof Rupert zurückging, dann liegt auch die Vermutung nahe, daß die genannten Ortschaften auch schon zu dieser Zeit an der Wallfahrt nach Mettlach teilnahmen. Wenn diese Vermutung richtig ist, könnten wir die Zeit um 950 festhalten für die Existenz der Orte "Kirchperch" und "Hymmersdorf".

2.Das Geschlecht derer "von Himmersdorf" bis in die 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts
Aus Urkunden von 1115 bis 1440 geht hervor, daß in Himmersdorf ein Rittergeschlecht ansässig war, das sich nach dem Ort benannte. Doch sind die Nachrichten über dieses Geschlecht ziemlich unzureichend und gestatten uns nicht, eine lückenlose Stammfolge aufzustellen.
Zum erstenmal begegnet uns der Name "von Himestorph" in einer Urkunde des Jahres 1115, in der der Bischof von Metz Stephan von Bar die Einkünfte der Abtei Busendorf festlegt. Unter den Zeugen ist an 5. Stelle ein Walther von Himestorph genannt . Im Jahre 1183 bezeugt Friedrich von Bitse (Bitsch) (der jüngere Bruder des Herzogs Simon II. von Lothringen), daß Herr Volmar von Willingen sein Allod (= Eigengut) in Keirlingen dem Kloster Luthra (Fraulautern) geschenkt hat und ebenso einer aus seinem Gefolge, Arnold von Loimersfeld, seinen Besitz in Sermedingen. Als Zeugen sind genannt: Christian, Priester in Liezdorf; Berenger von Himmersdorf; Rudolf von Siersberg; sein Bruder Alberich; Arnold von Beckingen; Wilhelm von Hechelingen; Johann von Gerlevingen; Arnold von Turm; Philipp von Hustatt; Marsilius von Himmersdorf . Der letztgenannte Marsilius von Himmersdorf tritt wieder als Zeuge in einer Urkunde des gleichen Jahres auf, in der Friedrich von Bitsch erklärt, daß das Kloster Luthra von dem Zoll, den jedes an Rolingen (Rehlingen an der Saar) vorüberfahrende Schiff ihm schulde, frei sein solle.

Von 1183 bis zum Jahre 1350 sind keine Urkunden mit dem Namen "von Himmersdorf" bekannt. 1350 erscheint ein Philipp von Himmersdorf auf einer Stiftungsurkunde für das Kloster in Mettlach; am Freitag vor St. Laurentius 1350 gibt Heilwif von Himmersdorf, Tochter des verstorbenen Johann Lendevin mit Einwilligung ihres Oberherrn Philipp von Himmersdorf für das Heil ihrer Seele 6 trierische Schillingspfennige dem Kloster Metloch, und zwar 2 dem Hospital und 4 als jährliches Almosen am St. Martinstage von ihrem Anteil an den Weinbergen auf dem Geisberg und anderen Gütern, auf daß man ihrer im Gebete gedenke. Gegeben mit dem Siegel und der Einwilligung des genannten Philipp, in dessen Vogtei die Güter liegen .
Im Jahre 1351 verkauft der Edelknecht Johan von Vürweiler das halbe Dorf und Bann zu Vürweiler an den Edelknecht Philipsen von Himmersdorff 10.
Reinhard von Himmersdorff, Edelknecht, verkauft sein Haus, Mauern und Gärten zu Himmersdorff an Philipsen von Himmersdorff im Jahre 1364 .
1367 verkauft "Herman von Relingen sein halbtheil am Dorff, Zehenden, Bann und Zugehörung zu fürweiler, Philipsen von Himmersdorff, Walthern von Sirßberg und Jungfrauen Ottilien von fürweiler ihrem Sohn Jacoben" .

Dieser Philip ist wieder genannt in einer Urkunde, die auf "Sondag nach unser Frowen Dage Lichtmissen 1371" datiert ist. Hier erklärt Johann, Graf zu Saarbrücken, Herr zu Commercy und Buttelir zu Franchrich, daß er den Phelipse von Hymerstorf zu seinem Manne angenommen habe, der auf sein oder der Amtleute Geheiß "reiten und seine Rede und Wort tun müsse"; dafür erhält er jährlich 3 Pfund Pfennige Saarbrücker Währung aus dem Hofe zu Folklingen (Völklingen) 13}. Philipp von Himmersdorf war also Vasall des Grafen von Saarbrücken.
Im Jahre 1375 wird ein Johann von Hymmersdorf, Ritter, Sohn von Philipp von Hymmersdorf, erwähnt . Es handelt sich hier wahrscheinlich um einen Sohn des oben genannten Philipp.
1380 verspricht in einem lateinisch abgefaßten und mit seinen Siegeln versehenen Brief Johann, Herzog von Lottringen, dem Walter (?) von Himmersdorff 3000 "goltgld", wenn er gegen den Churfürsten zu Trier Burgwach und Schadloshaltung verspricht .
Catharina von Vürweiler verpfändet "all ihr liegend und fahrend Güter" dem Walther von Himmersdorff, Burggraven zu Schwemling (?), ihrem Mag oder Vetter, im Jahre 1381. Der Brief ist gesiegelt vom Abt zu Busendorff und von Johan Kern von Sirsberg .
Im Jahre 1390 siegelt Walter von Himmersdorf einen Brief, in dem er bekennt, "das er, neben anderen Lehen, das Haus, Mauern und andere Zugehör von dem Hertzogthumb Lottringen zu Lehen trage" .
1392 am Samstag vor St. Martin verzichten Junker Walther von Hymerstroff und seine Frau Katharina auf die Renten,die ihnen Johann, Herr von Kyrkel in Vechtelfangen verkauft hatte, solange der Graf von Saarbrücken dieses Dorf besitzt. 1419 wird Walther von Himersdorff unter den Vasallen des Grafen Philipp von Nassau - Saarbrücken aufgezählt .
Aus dem Jahre 1426 stammt ein Schreiben des Herzogs Carl zu Lottringen und (?), "darin Adam von Himmersdorff ersucht und gebetten wirdt, seine Underthanen oder leut, zue vorhaber Landtgewehr oder graben hülf frei (?) zulaßen" . Der Pfleger und Statthalter der Herzogthumben Bahr und Lottringen sendet 1438 ein Schreiben an Adam von Himmersdorff, "darin derselbe ersucht und gebetten wirdt, neben anderen Mannen zue Sirck zuerscheinen, und mit ihres Herrn Königs in Sircken Räthen und freunden, betreffend des Königs Land und leuth,helfen beratschlagen".
Ein Johann von Hymmersdorf wird wieder erwähnt im Jahre 1440. Er heiratete eine H. Loewenstein. Beide hatten eine Tochter, genannt Annich (auch Ennichen oder Entgen) von Himmersdorf. Sie heiratete Adam von Bechel, der aus dem Nassauischen stammte. So kam durch Heirat die Herrschaft Hymmersdorf an die von Bechel, die sich später "von Siersbeg" nennen.
Die Herren von Himmersdorff und ebenso die Herren von Vürweiler führten ein Wappen mit Schild und Helm. Bekannt ist uns das Wappen des Walter von Hymmersdorf aus dem Jahre 1388. Es zeigt im Schild 5 Ringe (2:1:2) und als Helmzier ein gestieltes Schirmbrett. Das Wappen stimmt überein mit dem Wappen im Schlußstein des Chores der alten Kirche. Nach Zimmermann waren die Farben rot und gold, d.h. 5 goldene Ringe auf rotem Schild.
Nach Zimmermann waren die Farben rot und gold, d.h. 5 goldene Ringe auf rotem Schild (vgl. Abb. 55 und Abb. 86).
Neben dem Stamm "von Himmersdorf" begegnet uns im 14.Jahrhundert noch ein anderer Name in diesem Ort. Ein gewisser Reiner Porrer, Edelknecht von Himmersdorf, verkauft seinem Mage (Verwandten), dem Edelknecht Johann von Ywilre, und seiner Frau Else sein Gut in Relingen um 120 Pfund Metzer Pfennige. Die Urkunde, die am St. Martinstag 1361 ausgestellt ist, wurde von Johann Kern von Sirsperch dem alten,von Hennekin, Edelknecht von Worwilre, und vom Hof von Walderfingen gesiegelt. Dieses Gut, das einst Reiner Porrer gehörte, wurde am 21. September 1378 von den oben genannten Käufern zur Stifung einer "ewigen Messe" dem Kloster Lutrea (Fraulautern) vermacht.

Außer dem Geschlecht "von Himmersdorf" gab es jedoch noch andere Herrschaften, die in diesem Ort begütert waren. 1293 verlieh Ferry, Herzog von Lothringen, dem Tempelritter Weichard außer Siersberg auch "la ville de Hymersdorf".

Mit "ville“ könnte hier auch eine "villa regia", ein königliches Landhaus gemeint sein. Vielleicht hat die aus Lothringen nach Großhemmersdorf führende alte "Königsstraße" daher ihren Namen.
Ein Ritter Gottfried von Boulay (Bolchen) erlangte 1309 Besitzungen in Hymersdorf, die auf einen Kauf von Junker Ferry de Numaque (Neumagen) und seiner Schwester Gertrud, die Klosterfrau zu Horren (Oerenkloster = St. Irminen in Trier) war, zurückgingen. Die Urkunde ist gesiegelt durch den Offizial von Trier. Um diese Zeit hatte auch Ludwig von Kirkel Rechte in Hymersdorf, die wahrscheinlich auf seine Heirat mit Irminga von Siersberg zurückgingen.

Am Tage nach Weihnachten im Jahre 1310 erkennen die Brüder Isambert und Heinrich, Söhne des Ritters Simon von Heysch an, daß sie als 'foedum castrense' (= Burglehen) alle ihre Lehen in Ort und Bann Hermestroff von Heinrich von Vinstingen haben, ohne die alten Schlösser auszunehmen.
Heinrich II. von Finstingen war von 1260 bis 1286 Erzbischof von Trier. Demnach hatte das Erzstift Trier schon vor 1286 Besitzungen bzw. Rechte in Großhemmersdorf.

Besonders Erzbischof Balduin war bestrebt im Zuge seiner expansiven Territorialpolitik Besitz und Rechte in Gebieten des Herzogs von Lothringen zu erwerben.

Vom Jahre 1332 wird berichtet, daß die Eheleute Johann von der Felz und Jutta von Rulans dem Erzbischof von Trier 19 Wohnungen zu Hymmersdorf zu Lehen aufgetragen haben sollen gegen 100livres jährliche Pacht. 1333 verpfändet Ritter Arnold von Castel dem Erzbischof Balduin von Trier seine Renten in Getreide und Gütern zu Hymmersdorf, Büren und Wallerfangen.
Walter von Gitberdingen (oder Hetberdingen =Hilbringen an der Saar) und dessen Schwestern Katharina und Gelhindis verkaufen im Jahre 1340 Arnold III. von Siersberg ihre Herrschaften zu Hymmersdorf und Itzbach, die von ihrem Oheim Abertin, der Kanonikus zu St. Arnual bei Saarbrücken war, herstammten. Dieselben bestanden in Ländereien, Wiesen, Weinbergen, Häusern, Gärten, Renten und sonstigen herrschaftlichen Rechten, hohen und niederen Gerichtsbarkeiten, im Werte von 17 Pfund Metzer Denaren 30). 1341 kaufte Arnold IV. von Siersberg den andren Teil der von Abertin herrührenden Güter in Hymmersdorf und Itzbach dem Henkin von Büdingen um den Preis von 9 Pfund Metzer Denaren ab. Johann Mersilis, Ritter von Saarbrücken. verkaufte dem Arnold (IV.) von Siersperch, Herrn von Dillingen, Güter seines Vaters in Siersperch, Roglingen, Buren und Hemmersdorf um 250 Pfund kleiner Turnosen. Die Urkunde ist datiert auf 1341 "fünften dages in dem aprile".

Eine Urkunde vom Juli 1343 berichtet. daß Matthias, Edelknecht von Redelingen, mit Zustimmung seiner Frau Elisabeth dem Erzbischof Balduin von Trier für erhaltene 100 Pfund Denare Güter in Rulingen, Hemersdorf und Rumesbach bei Hargarden als Saarburger Burglehen aufträgt.
Das Kloster Fraulautern scheint auch schon sehr früh in Hymersdorf begütert gewesen zu sein 34). Im Jahre 1429 kam das Kloster Fraulautern durch Kauf in den Besitz von den Renten eines Kapitals von 100 Gulden, die vorher im Besitz des Johann von Ruppersberg, dessen Frau Kunigunde und beider Sohn Wilhelm waren. Zwanzig Jahre später erwarb Fraulautern von dem Sohn der Erstgenannten, von Wilhelm von Ruppersberg, der sich Herr von Navelden nennt, und dessen Ehefrau "Tryne von der Arken" alle ihre Renten und Güter "zu Hymersdorff yn beiden dorffern uff der Nyden gelegen" für einen Kaufpreis von 150 rheinischen Gulden. Diese Urkunde des Wilhelm von Ruppersberg ist ausgestellt 1449 "uff sant Alexius dag des heilgen bychters" (= 17. Juli) und gesiegelt von Wilhelm von Ruppersberg und Johann von Siersberg, Herr zu Dillingen 35). Alle diese Renten und Güter sind in einer eigenen Urkunde der damaligen Äbtissin des Klosters "frauwe luttern", der "Magret von Hunttingen", im einzelnen augeführt. Dieses Verzeichnis wurde aufgestellt 1449 "umb sant michel", also etwa am 29. September.

Aus den oben angeführten Urkunden geht hervor, daß das Geschlecht "von Himmersdorf" neben seinen Eigengütern (Allodien), die es durch Ankauf in Fürweiler vermehrt, auch Lehen des Herzogs von Lothringen besaß. Die auswärtigen Besitzungen erweisen sich ebenfalls meist als lothringische Lehen. Auffallend ist, daß das Erzstift Trier im Gebiet einer bis dahin unbestrittenen lothringischen Vorherrschaft Fuß fassen will.


(Diese Seite wird nach und nach mit der Hemmersdorfer Geschichte vervollständigt.)